Ein Trike für mehr Unabhängigkeit

Unabhängigkeit zurückgewinnen und das Leben genießen (Bild mit freundlicher Genehmigung von Hase Bikes).
Unabhängigkeit zurückgewinnen und das Leben genießen (Bild mit freundlicher Genehmigung von Hase Bikes).

Ein Münchner im Radl-Himmel

Bei den Inklusionstagen in Gelsenkirchen hatte ich vor einigen Wochen die Chance, ein Trike von HASE BIKES zu fahren. Schon nach wenigen Minuten war ich von dem Trike sehr angetan. Daher will ich euch heute diese Firma als auch eines der Modelle samt Anwender etwas näher vorstellen.

 

Die Firma hinter der Geschichte

Seit fast 30 Jahren entwickelt Dipl. Ing. Marec Hase, Inhaber und Geschäftsführer von HASE BIKES, außergewöhnliche Fahrräder. Von den Erfolgen des inzwischen 100köpfigen Teams zeugen nicht nur zahlreiche Design- und Konstruktionspreise, sondern vor allem leidenschaftliche Hase Biker auf (fast) der ganzen Welt. Die Räder von HASE BIKES sind im Freizeitsport gefragt, auf Radreisen, im Familienalltag und im Reha-Bereich. Ihre innovative Konstruktion, die hochwertige Technik und das mehrfach ausgezeichnete Design machen sie für jeden attraktiv, unabhängig von Alter oder körperlichen Einschränkungen. Durch ein großes Spektrum an Zubehör für verschiedene Anwendungen lassen sich HASE BIKES so individuell an die Bedürfnisse von Radfahrer*innen anpassen, dass die Grenzen zwischen „ohne Mobilitätseinschränkung“ und „mit Mobilitätseinschränkung“ verschwinden.

 

 

Mehr Freiheit statt eingeschränkte Mobilität

Schon in seinem Beruf als Chirurg musste Alfred Lang schnell Entscheidungen fällen. Der gebürtige Bayer ist ein Macher – auch, nachdem er beide Beine verloren hat. Und vor allem, wenn es um seine Mobilität geht.

 

"Den ganzen Tag lang im OP zu stehen – das hat mir überhaupt nichts ausgemacht!", erzählt er bei unserem Besuch von seinem früheren Beruf. "Aber der ganze Papierkram...!" Der Akzent von Alfred Lang verrät deutlich, dass er aus Bayern kommt. Genauer: Er stammt aus dem Allgäu und hat lange Zeit in München gelebt. Wo er herkommt ist keine Nebensächlichkeit für ihn: "Etwas gesunden Patriotismus hab ich schon", schmunzelt er. Und er erfüllt ein bisschen auch die typischen Klischees vom echten Bayern: Er wirkt ruhig, aber zupackend, energisch und durchaus etwas eigen. Der Mediziner hat keine Beine mehr. "Terrorangriff!" ist manchmal die spontane Antwort, wird er nach der Ursache gefragt. "Manchmal sage ich auch 'Autounfall'", erzählt er und schmunzelt, bevor er die Wahrheit verrät: Er leidet an Diabetes, die lange nicht erkannt worden war. Vor drei Leuten habe er heute Hochachtung, so Lang: vor seinem Prothesenbauer, seiner Physiotherapeutin und den Leuten von Hase Bikes. "Die haben mir Kraft gegeben haben", erklärt er ernst. "Gehen ging kaum mehr."

 

"Nachdem ich überhaupt wieder unterwegs sein konnte, bin ich alles mit dem Auto gefahren. Spaß gemacht hat das nicht – und ich hatte ja überhaupt keine Bewegung!", erzählt er. Später, als wir mit ihm bayerische Weißwürste 'zutzeln', erfahren wir, warum er sich für ein Lepus entschieden hat. "Mit den Sattel-Dreirädern kann man nur extrem langsam um die Kurve fahren – die kippen um, wenn du mehr als drei Stundenkilometer schnell fährst! Die Straßenlage auf dem Lepus dagegen ist super!"

 

Im Sanitätshaus bekam er allerdings nur aufrechte Räder gezeigt. Fündig wurde er schließlich bei einem Hase Bikes-Händler. Begeistert war er nicht nur von den Fahreigenschaften des Rads – der Bayer lässt sich beim Erzählen zu einem "Geil!" hinreißen, "obwohl das eigentlich nicht mein Wortschatz ist". Angetan war er auch davon, wie dort angepackt wird: "Die Mitarbeiterin hat einen Schraubenschlüssel genommen und, zack, diese Spezialpedale schnell mal genau an mich angepasst. Das finde ich super, so zupackende Leute. Solche, die nicht einfach sagen: '"Nee, das geht jetzt nicht.'". 

 

Lang mittlerweile ist seit über vier Jahren fast ständig mit dem Lepus unterwegs. Er fährt mit E-Unterstützung. Der sensorgesteuerte E-Motor verstärkt die Kraft, die er mit den Pedalen auf die Beine bringt – so tritt er rund in die Pedale und kommt flotter voran als vergleichsweise mancher Mensch mit gesunden Beinen. Einkauf, Freizeit, Freunde besuchen und seine Lieblingsstrecken rund um den nahen Hegbachsee – überallhin geht’s mit dem Lepus. "Dabei bin ich früher kaum Rad gefahren", sagt Lang fast entschuldigend, "aber mit dem Trike kann ich einfach dort, wo’s mir gefällt, anhalten und genüsslich im Liegesitz meine Pfeife rauchen!" Ob ihm das Rad denn vielleicht auch ein Stück Freiheit zurückgegeben hätte, wollen wir später am See wissen. »Nein«, winkt er bierernst ab. Und schiebt mit seinem typischen Humor hinterher: "’s  Dreifache hat’s mir g’bracht!“

 

 

Weitere Informationen zu den Rädern von Hase Bikes

Mehr Informationen zum Lepus und anderen Hase Bikes-Rädern findest du unter www.hasebikes.com.

 

 

Gastbeitrag von HASE BIKES. Hase Bikes stehen für die Überzeugung, dass Radfahren glücklich macht. Durch das große Spektrum an Zubehör lassen sich die Trikes und Tandems an fast alle körperlichen Bedürfnisse anpassen. 

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