Wieder auf die Beine kommen

Die Arbeit an einem sauberen Gangbild kennen alle Amputierten (der Dank für die Bilder geht an Stella).
Die Arbeit an einem sauberen Gangbild kennen alle Amputierten (der Dank für die Bilder geht an Stella).

Standphasen-Unterstützende Übungen Aus Der Gehschule

Das Gehen ist ein komplexes Zusammenspiel von Bewegungen der Gelenke, der Muskelaktivität und der Wahrnehmung der einzelnen Körperpositionen. Ein Gangzyklus setzt sich aus Standphase (60%) und Schwungphase (40%) zusammen. Ein zentraler Punkt in der Gehschule ist die neu zu erlernende Verlagerung des Körperschwerpunktes zur Prothesenseite, um eine sichere Standphase während des Gehens zu ermöglichen. Nach einer Beinamputation richtet sich das Gefühl der Körpermitte zu der erhaltenen Seite aus und es herrscht eine Diskrepanz zwischen der subjektiven und objektiven Wahrnehmung des mittig ausgerichteten Standes. Die Verlagerung des Körperschwerpunktes zum Standbein und die Aktivität der Muskulatur im Bein und im Rumpf sind Voraussetzungen für einen stabilen Einbeinstand. Hierdurch wird ein sicheres Durchschwingen der Gegenseite ermöglicht. Ist die Muskulatur nicht kräftig genug, um den Einbeinstand zu stabilisieren, können Gangbildabweichungen wie z.B. eine Seitwärtsneigung im Oberkörper zur Prothesenseite auftreten oder die Nutzung von Gehhilfen erforderlich machen.

 

Einige Übungen Für Oberschenkel-Amputierte

Anmerkung: Die gezeigten Übungen sollten beim ersten Mal mit qualifizierten Trainer*innen/Therapeut*innen durchgeführt werden

 

Die Standphase wird in 4 Phasen unterteilt:

(Die Muskelaktivitäten des Fußes sind hier nicht aufgeführt)

Um die Kraft der aktiven Muskulatur während der Standphase zu verbessern, sind folgende Übungen hilfreich:

 

 

Stumpfübungen:
 Rückenlage

  • Lege dich auf den Rücken. Dein Stumpf liegt auf einer stabilen Rolle oder einem eng gerolltem Handtuch.
  • Hebe dein erhaltenes Bein in die Höhe, drücke deinen Stumpf nach unten gegen die Rolle und hebe dein Gesäß von der Unterlage.
  • 3-5 Serien mit 8-12 Wiederholungen.

 

Stumpfübungen:
 Seitenlage

  • Lege dich auf den Rücken. Dein Stumpf liegt auf einem eng gerollten Handtuch.
  • Drücke deinen Stumpf nach unten gegen das Handtuch und hebe dein Becken von der Unterlage. Das andere Bein hältst du gestreckt in der Luft  ohne dass sich deine Oberschenkel berühren.
  • 3-5 Serien mit 8-12 Wiederholungen.

 

Prothesenübung Nr. 1

Stelle die Füße hüftbreit nebeneinander vor einen bodentiefen Spiegel (falls vorhanden).

Denke dir eine gerade Linie, die von deinem Bauchnabel bis zum Boden fällt. Versuche den Bodenpunkt mittig zwischen deinen Füßen auszurichten. Falls notwendig, halte dich dabei fest.

Verschiebe die gedachte Linie weiter Richtung Außenkante des Prothesenfußes. Dein Rumpf bleibt gerade aufgerichtet und folgt der Beckenbewegung.

Diese Übung kannst du mehrfach wiederholen und auch in deinem Alltag einbinden.

Prothesenübung Nr. 2

  • Stelle dich hüftbreit in Schrittstellung. Deine Prothese ist nach vorne gestellt und unter der Fußspitze positionierst du einen weichen Ball.
  • Schiebe dein Becken nach vorne Richtung Fußspitze der Prothese, bis der Ball zusammengedrückt ist. Die Ferse der erhaltenen Seite hebt vom Boden ab und du stehst aktiv auf dem Prothesenbein. Falls notwendig, halte dich dabei fest.
  • 3-5 Serien mit 8-12 Wiederholungen.

 

Prothesenübung Nr. 3

Verlagere dein Körpergewicht zur Prothesenseite und positioniere deinen Fuß auf einem Ball. Halte dich fest.

Stehe stabil auf der Prothesenseite, dein Rumpf ist gerade aufgerichtet und rolle den Ball in kurzen, schnellen Bewegungen.

3-5 Serien mit 8-12 Wiederholungen.

Starte mit der Bewegung vor und zurück, dann nach innen und außen und zum Schluss im Kreis.

Gast-Beitrag von Stella Pocher. Stella ist Physiotherapeutin und arbeitet seit mehreren Jahren selbstständig in ihrer eignen Praxis der "Gehschule Hamburg". Der Schwerpunkt ihrer Praxis liegt in der Physiotherapie und dem Prothesentraining nach Beinamputation. Mehr über Stella erfahrt ihr auch auf Instagram.